Veranstaltungsbericht: „Wie sieht es mit der Beteiligungskultur in Berlin aus?“

Wie kommt Berlin voran? Am besten mit allen. Beim Jahresabschluss von GEMEINSAM BERLIN haben wir gefragt "Wie sieht es mit der Beteiligungskultur in Berlin aus?"
Zwei Menschen, Moderation und Inputgebender, sitzen auf einer Bühne im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung.
Moderation (Lotti Höfer) und im Gespräch mit Wilfred Dominic Josue, Beirat für Partizipation und Integration (Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin)

Am 7. Dezember fand der Jahresabschluss GEMEINSAM BERLIN statt. Im „PopUp“ Saal der Amerika-Gedenkbibliothek diskutierten Florian Hecht, Projektleitung youngprojects* (FEZ Berlin), Wilfred Dominic Josue, Vorsitzender des Bezirksbeirats für Partizipation und Integration* (Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin) sowie Elke Breitenbach, (Sprecherin für Pflege, Bürgerschaftliches Engagement, Religion, DIE LINKE) und Dennis Haustein, (Sprecher Ausschuss für Kultur, Engagement und Demokratieförderung, CDU) sowie die Teilnehmenden zur Frage „Wie sieht es in Berlin mit der Beteiligungskultur aus?“. Die Amerika-Gedenkbibliothek, mit dem erst im September 2023 eröffnete PopUp-Gebäude, bieten laut Gastgeber Jonas Fansa, Betriebsdirektor der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, den perfekten Ort, friedliche Diskussionen zu führen, um die Stadt von morgen zu gestalten.

Beteiligung und Teilhabe unterrepräsentierter Gruppen 

Eine Person (Elke Breitenbach) mit hält einen Beitrag im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung.
Elke Bereitenbach

Florian Hecht und Wilfred Dominic Josue berichteten von ihren Erfahrungen und den Herausforderungen für junge Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte. 

Um Kinder und Jugendliche zu erreichen, reicht es nicht „nur einen Instagram-Post zu machen und dann kommen alle“, so Florian Hecht. Damit sich junge Menschen wahrgenommen fühlen, bedarf es einer direkten Ansprache und der Pflege von Kontakten. Dafür müssen ausreichend personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um eine kontinuierliche Beziehungsarbeit zu leisten. Darüber hinaus muss Beteiligung gelernt sein. Florian Hecht wünscht sich mehr Demokratiebildung in den Schulen, um junge Menschen so früh wie möglich für Partizipation zu sensibilisieren.

Wilfred Dominic Josue berichtet, dass es schwierig ist, ehrenamtliche Mitwirkende für den Beirat für Partizipation und Integration zu gewinnen. Die gezielte Ansprache und der Vertrauensaufbau mit den Gruppen sind auch hier zentral. Darüber hinaus gibt es bei vielen Interessierten ein Zeit-Problem. Neben der Erwerbsarbeit und vielen anderen Verpflichtungen können sich viele ein Ehrenamt nicht leisten. Dazu kommt auch, dass viele Menschen mit Migrationsgeschichte das Wissen über die politischen Strukturen in Berlin noch fehlt, um sich die Mitarbeit im Beirat vorzustellen. Hier ist es nötig, die Menschen zu empowern. Fort- und Weiterbildungen können diese Hürde senken. Allerdings ist deren Verfügbarkeit an die vorhandenen Ressourcen gebunden.

Eine Person (Dennis Haustein) hält einen Beitrag im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung.
Dennis Haustein

Die anwesenden Abgeordneten sind sich den Herausforderungen bewusst: Dennis Haustein möchte die Anerkennungskultur für ehrenamtliches Engagement weiter stärken, um die bestehenden Strukturen zu fördern. Er wünscht sich, dass sich (junge) Menschen wieder vermehrt in Parteien engagieren. Da hier die Möglichkeiten der Partizipation und die Wirkung besonders legitimiert sind.

Um die Menschen abzuholen und sie für Beteiligung stark zu machen, gibt es bereits gute Strukturen, wie z.B. die Beteiligungsbüros in den Bezirken, findet Elke Breitenbach. Sie beton die Wichtigkeit der Bezirksebene, denn Menschen engagieren sich lieber in ihrer direkten Umgebung und fordert daher die Einrichtung von Bürger:innenhaushalten. 

Aus dem Publikum meldet sich Ingo Klatt von der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung und stellt heraus, dass Beteiligung der Verwaltung meist in klassischen Formaten wie Gremien stattfindet. Dies ist für Ehrenamtliche jedoch wenig ansprechend. Ehrenamt muss Spaß machen. Die Verwaltungsmitarbeitenden sind außerdem oft nicht geschult für die Aufgabe, Menschen zur Beteiligung zu befähigen. Die Mittel sowie die Maßnahmen (Weiterbildunge, Gebärdendolmetschung und Dolmetschung in leichter Sprache) sind jedoch teuer.

Es gibt kein Erkenntnisproblem

Eine Person (Miguel Góngora) hält einen Beitrag im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung.
Miguel Góngora

Die Teilnehmenden stimmen überein, dass die Herausforderungen nicht neu und auch die Lösungsansätze größtenteils bekannt sind. (Hier möchten wir auf die GEMEINSAM BERLIN- Stadt für alle!  Handlungsempfehlungen für eine diverse Beteiligung verweisen.) Bei der Umsetzung müssen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung eng zusammenarbeiten, um Teilhabe für alle, und damit die Beteiligung an der Gestaltung Berlins zu fördern.  

 

*Youngprojects hat das Ziel, Jugendbeteiligung aktiv zu fördern, indem sie Politik zugänglich und erlebbar machen. Sie bieten unterschiedliche Formate der Beteiligung und Mitwirkung an. Der Fokus liegt auf der dem Erwerb und dem Ausbau der Demokratie- und Nachhaltigkeitskompetenz junger Menschen. Mehr Infos zum Projekt und den Mitmach-Möglichkeiten findest du hier

*Bezirksbeirat für Partizipation und Integration Steglitz-Zehlendorf  vertritt die Interessen der Menschen aus Steglitz-Zehlendorf mit Migrationsgeschichte und  unterstützt das Bezirksamt , die Partizipation, Integration und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte zu fördern. Mehr Infos und die Mitmach-Möglichkeiten findest du hier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

13 − 8 =