Berlin gerecht werden – Handlungsempfehlungen für eine diverse Beteiligung

 

Ziele:

Die Zukunft Berlins sinnvoll zu gestalten, ist nicht nur eine Aufgabe von Politik und Verwaltung. Die größte Ressource der Stadt ist das Wissen, die Erfahrungen und das Engagement der Bürgerschaft. Die im folgenden aufgeführten Handlungsempfehlungen dienen dazu, die Vielfalt der heutigen Stadtgesellschaft optimal für Berlin zu nutzen. So können neue inklusive Partnerschaften Mitverantwortung für unser Gemeinwesen übernehmen.

Handlungsempfehlungen:

Beziehungen aufbauen!

Um unterschiedliche Zielgruppen zu motivieren, Partizipationsmöglichkeiten wahrzunehmen, müssen sie über Beteiligungsangebote herangeführt werden. Diese müssen von entsprechenden Vertrauenspersonen und konstanten Anlaufstellen unterbreitet werden, über die langfristige Beziehungen aufgebaut werden.

 Strukturen statt Einzelprojekte!

Wir brauchen nachhaltigere Strukturen zur Regelfinanzierung. Projektefinanzierungen und Einzelprojekte eignen sich anfangs, um Formate und Methoden auszutesten. Sobald sich diese bewährt haben, müssen ihnen Möglichkeiten zur Verstetigung geboten werden. Es ist kontraproduktiv und ermüdend, wenn Finanzierungen nach kurzen Zeiträumen immer wieder neu beantragt werden müssen.

 Aufsuchen und beteiligen!

Um stille oder ungehörte Gruppen besser zu erreichen, sind die Methoden der aufsuchenden Beteiligung und der qualitativen Auswahl der Teilnehmenden wichtige Instrumente. Es ist unerlässlich, dass Beteiligungsangebote in den Stadtteilen und Institutionen zugänglich sind, an denen sich die bisher ungehörten Zielgruppen im Alltag aufhalten. Menschen können am besten in ihnen vertrauten Umgebungen erreicht und gewonnen werden. Generell müssen Informationen barrierefrei und in leichter Sprache über verschiedene Kommunikationskanäle kommuniziert werden. Onlineangeboten müssen in analoge Kontexte eingebunden werden.

Räume!

Es müssen konsumfreie, kostengünstige Räume für jeden Sozialraum zur Verfügung gestellt werden. Dazu können vorhandene Räume, wie Bibliotheken, Stadtteilzentren oder öffentliche Plätze genutzt werden. Eine zentrale Plattform für Anbietende und Suchende, die von den NutzerInnen selbst verwaltet werden kann, wird benötigt. Räume müssen auch Menschen zur Verfügung stehen, die sich als Gruppe noch nicht organisiert haben oder nicht zahlungsfähig sind, ggfs. wird ein Budget für Unterhaltungskosten benötig.

Verwaltungen müssen Motor und Ansprechpartner von Beteiligung werden!

Fachverwaltungen sind oft nicht in der Lage, Beteiligungsprozesse aufzusetzen oder adäquat in ihre Arbeit einfließen zu lassen. Um dem entgegen zu wirken, müssen unter anderem Aus- und Weiterbildungen angeboten werden. Mit diesen ausgeweiteten Kapazitäten und Fähigkeiten würden sie nicht nur Anlaufstellen, sondern auch InitiatorIn von Beteiligungsprozessen und würden die Etablierung von Partizipationsverfahren als Grundlage politischer Entscheidungen wesentlich vorantreiben.

 Keine Unklarheiten, sondern aktives Erwartungsmanagement!

Bereits im Voraus muss für alle Beteiligten klar sein, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen und wie im Anschluss mit den Verfahrensergebnissen umgegangen wird. Verfahren, die falsche Erwartungen wecken, führen zu Frustration und mindern das Vertrauen in Beteiligungsmöglichkeiten. Die Transparenz des Prozesses muss gewährleistet werden. Die Ablehnung von Vorschlägen oder Ideen muss begründet werden.

Beteiligung steigern – Selbstwirksamkeitserfahrungen sammeln!

Das Interesse an Beteiligung kann wachsen, wenn die praktischen Auswirkungen des eigenen Engagements frühzeitig spürbar werden. Deshalb sollten bereits Kinder und Jugendliche frühzeitig, z.B. in der Schule über professionell begleitete Beteiligungsprozesse lernen können, Interessen zu entwickeln und zu artikulieren und Selbstvertrauen in die eigene Position aufzubauen. Selbst Veränderungen erwirken zu können, ist ein Erfolgserlebnis und steigert die Motivation, sich weiterhin zu beteiligen.

 Beteiligung wertschätzen!

Beteiligung bedeutet gleichzeitig auch immer Engagement. Dieses Engagement muss gesehen und wertgeschätzt werden.

 Diversität steigert die Qualität!

Die Qualität von Beteiligungsangeboten steigt durch die Diversität der Teilnehmenden. Verschiedene Perspektiven aus unterschiedlichen Lebenswelten sind notwendig, um gemeinsam Berlin zu gestalten.

Mit MultiplikatorInnen und ÜbersetzerInnen zusammenarbeiten!

Wenn konkrete Zielgruppen erreicht werden sollen, muss die Arbeit von ÜbersetzerInnen und MultiplikatorInnen in Beteiligungsprozesse einbezogen werden. SozialarbeiterInnen können beispielsweise unkonventionelle Ausdrucksformen in politische Forderungen übersetzen. MultiplikatorInnen stellen vor allem die Verbindungen zu den unterschiedlichen Gruppen her. Um zielorientiert zusammen zu arbeiten, müssen Schnittstellen etabliert werden, die die unterschiedlichen Arten der Artikulation in politische Forderungen und Umsetzungsmöglichkeiten oder -ansätze konkretisieren.

Bitte zuhören!

Vorhandener Expertise muss mehr Vertrauen entgegengebracht werden. Wer Beteiligung ernst nimmt, muss dazu bereit sein, Ideen, Ansichten und Forderungen der Teilnehmenden einzubeziehen. Inklusive Beteiligung ist vor allem auch eine Haltungsfrage der InitiatorInnen.

 Selber machen!

Unterrepräsentierte Gruppen müssen empowert werden, ihre eigenen Themen zu entwickeln, daraus Wünsche abzuleiten und auch eigene Formate zu entwickeln. So können sie über die Reaktion auf Angebote hinaus in Eigeninitiative Mitverantwortung übernehmen. Sie lernen, wie sie selbst in Aktion treten können, um ihre Lebenswelt eigenständig zu gestalten.

 

(Stand: November 2020)

Hier gibt es die Handlungsempfehlungen als pdf.

Redaktion GEMEINSAM BERLIN (CZ)

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