Special Olympics – Juliana Rößler im Einsatz für die Athlet:innen

Anlässlich der Special Olympics World Games, die im Juni in Berlin stattgefunden haben, durften wir Juliana Rößler bei uns für ein Interview begrüßen. Sie war bei den letzten Special Olympics World Games für Deutschland im Kanu im Einsatz und war dieses Jahr bei den World Games 2023 in Berlin wieder vor Ort dabei. Doch dieses Mal in einer anderen spannenden Rolle.

Special Olympics Deutschland ist die deutsche Organisation der weltweit größten Bewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Juliana ist Athletensprecherin für den Landesverband Berlin. Speziell für die World Games gibt es zehn Weltathletensprecher:innen. Da Deutschland dieses Jahr Austragungsland ist, durften drei zusätzliche Sprecher:innen benannt werden. Juliana ist eine von diesen dreien.

Du bist dieses Jahr bei den Special Olympics World Games in einer neuen Rolle im Einsatz. Wie ist es dazu gekommen?

Ich bin Athletensprecherin von Berlin und jetzt bin ich für die Weltspiele Athletensprecherin und bin ganz viel im Einsatz für die Athleten.

Was ist denn deine Hauptaufgabe als Athletensprecherin?

Ich setze mich für die Athleten ein und gucke, wie es so läuft in den Sportstätten, wie die angenommen werden.

Also guckst du dir auch die verschiedenen Orte an?

Ja.

Macht dir deine Aufgabe bisher Spaß?

Ja, aber es ist auch ein bisschen anstrengend.

Dieses Jahr warst du bei der Eröffnungsfeier als Zuschauerin auf der Tribüne. Vor vier Jahren bist du in Abu Dhabi selbst eingelaufen. Was war das für ein Gefühl?

In Abu Dhabi war ich im Kanu im Einsatz als Sportler und bin dann auch da in den Stadien eingelaufen. Und das war auch sehr, sehr gut und sehr laut. Ich war auch ganz vorne bei dem Einlauf und dann kam die Kamera immer zu mir, auch das war ziemlich aufregend. Und alle haben gejubelt.

Möchtest du bei den nächsten Spielen auch wieder im Kanu dabei sein?

Ich würde gerne versuchen teilzunehmen und hoffe, dass es klappt.

Trainierst du denn gerade auch noch im Kanu?

Ich trainiere noch ein bisschen im Kanu und bin gerade ein bisschen gehandicapt. Ich habe eine Verletzung und versuche nach den Weltspielen wieder langsam einzusteigen.

Hat es auch deshalb dieses Jahr nicht geklappt, als Athletin dabei zu sein?

Ja, ich hatte die Verletzung und die haben mich nicht nominiert und jetzt habe ich diesen anderen Einsatz hier.

Wie bist du überhaupt zum Kanufahren gekommen?

Seit 2016 fahre ich Kanu. Da bin ich in die Werkstatt gewechselt und da habe ich langsam angefangen zu trainieren mit meiner Trainerin. Die Landesspiele haben wir mitgemacht, dann haben wir die nationalen Spiele voriges Jahr gemacht, da habe ich dann Gold geholt im Einer. Und jetzt fiebere ich auch bei den anderen Sportarten mit und bei unseren Deutschen.

Wie bist du denn überhaupt auf die Special Olympics aufmerksam geworden?

Das ist von der Werkstatt (in der Juliana arbeitet, (A.d.R.)) so. So habe ich das mitgekriegt. So bin ich dann so ein bisschen hineingewachsen.

Und kannst du uns sagen, was bisher das Highlight deiner Karriere war?

Mein Highlight war jetzt im Olympiastadion. Nicht unten mitzulaufen, sondern oben zu sitzen, mal eine andere Perspektive zu haben. Die waren alle begeistert, die ganzen Auftritte von den Mannschaften oder den Athleten waren auch sehr gut, sehr lustig und sehr laut.

Was muss sich deiner Meinung nach noch ändern im Bereich Barrierefreiheit und Diskriminierung im Sport?

Barrierefreiheiten müssen noch ein bisschen besser verbessert werden. Die U-Bahnen müssen auch andere Aufgänge haben für Rollstuhlfahrer. Alles muss ein bisschen ebener sein. Und jetzt bei den Special Olympics hat die Übersetzung auf leichte Sprache nicht so gut funktioniert. Es war ein bisschen schwierig in der Messehalle, weil die Übertragung auf die Kopfhörer war ziemlich schlecht. Das muss auch ein bisschen verbessert werden. Und dann sollten auch die Redner langsamer reden, das war anstrengend die ganze Zeit.

Was würdest du gerne Leuten ohne Behinderung sagen, die bei den Special Olympics zugucken?

Auch mal mitmachen, mitbegeistern ein bisschen. Die Leute mal ein bisschen motivieren. Helfen oder auch mal mitrennen oder mal ins Kanu einsteigen oder so. Alles auch mal ausprobieren. Dann wissen sie, wie das jetzt bei uns in den Weltspielen so ist.

 

Außerdem erzählte uns Juliana, dass es in Berlin von der Werkstatt aus, in der sie arbeitet, einen Sportverein gibt, in dem sie trainiert. Es gibt zwar in ganz Deutschland Sportangebote für Menschen mit geistiger Behinderung, aber bei weitem nicht genügend, auch in Berlin nicht. Viele Vereine bieten inklusive Angebote an, Menschen mit geistiger Behinderung fallen aber oft einfach durchs Raster. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die drei Athletensprecher:innen, inklusive Juliana, aktuell unterwegs sind und Werbung für dieses wichtige Thema machen.

Zuletzt sprachen wir noch über das Projekt „Host Towns“, das im Rahmen der Special Olympics World Games 2023 Berlin ins Leben gerufen wurde. Über 200 Kommunen im ganzen Land haben die 170 Delegationen vor den Spielen aufgenommen und ihnen die Städte gezeigt. Laut Juliana ist diese Aktion bei den Athlet:innen super angekommen. Und außerdem wurde auch dadurch deutschlandweit nochmal Licht auf die Spiele und die damit verbundene Message geworfen.

Hoffentlich können wir Juliana in vier Jahren bei den nächsten Weltspielen wieder im Kanu sehen, wenn es das nächste Mal heißt: #zusammenunschlagbar.

 

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