„Nichts für uns ohne uns!“ – Interview mit dem jugendBEIRAT des wannseeFORUMs

Nina, Aydan, Skye und Lorelay engagieren sich im jugendBEIRAT der Stiftung wannseeFORUM. Der Jugendbeirat vertritt die Stimme der Jugend in der Stiftung. Im Gespräch mit GEMEINSAM BERLIN erzählen die vier uns davon, wie der Jugendbeirat entstanden ist, was sie am Jugendbeirat begeistert und welche Tipps sie jungen Menschen geben würden, die eine Jugendvertretung in ihrer Organisation aufbauen möchten.

Was macht ihr hier im wannseeFORUM eigentlich?

Nina: Wir sind der jugendBEIRAT der Stiftung wannseeFORUM. Das wannseeFORUM ist eine kulturelle, politische Bildungsstätte, in der Seminare für Kinder und Jugendliche angeboten werden. Bisher hat dort aber das jugendliche Sprachrohr gefehlt. Dafür sind jetzt wir, der jugendBEIRAT, da, um das pädagogische Team zu unterstützen und zu beraten. Außerdem organisieren wir auch selbst Seminare und Events.

Aydan: Wir sind die Jugend, die die Jugend unterstützt.

Könnt ihr uns erzählen, wie genau ihr arbeitet?

Skye: Wir treffen uns regulär einmal im Monat.

Aydan: Außerdem haben wir unterschiedliche Arbeitsgruppen, wenn wir Seminare oder Events organisieren, wie zum Beispiel unseren kulturellen Abend. Dann treffen wir uns in kleinen Gruppen nochmal öfter.

Nina: Zwei von uns aus dem jugendBEIRAT haben Plätze im Kuratorium des wannseeFORUMs, aber nicht offiziell als Vertreter:innen vom jugendBEIRAT. Das Kuratorium steht ganz oben in der Stiftung. Letztes Jahr, als wir ins Kuratorium gewählt wurden, war es das erste Mal, dass auch Jugendliche ins Kuratorium gekommen sind.

Wie ist der jugendBEIRAT denn entstanden?

Nina: Das wannseeFORUM hat das Quality-Label vom Europarat bekommen. Da haben sie den Kritikpunkt bekommen, dass es eine Jugendbildungsstätte ist, ohne dass die Jugend mitreden kann. So hat das Projekt jugendBEIRAT angefangen. Wir haben dann engagierte Leute gesucht, die eine Verbindung zum Haus haben. Und dann haben wir ein Jahr lang den jugendBEIRAT aufgebaut, indem wir eine Geschäftsordnung erstellt, ein Logo designed und geguckt haben, was wir überhaupt mit dem jugendBEIRAT erreichen wollen. Letztes Jahr im Sommer hatten wir dann unsere Eröffnung und jetzt haben wir Einjähriges gehabt.

Mega cool, herzlichen Glückwunsch!

Alle: Danke! (lachen)

Eine Rückfrage an dich, Nina: Was ist denn euer Ziel? Was genau wollt ihr erreichen?

Nina: So viel! (lacht) Wir haben uns aus der UN-Kinderrechtskonvention den Leitspruch „Nichts für uns ohne uns“ ausgesucht. Weil wir alle auch selbst mal an Seminaren vom wannseeFOURM teilgenommen haben, wissen wir aus erster Hand, was schiefläuft und was vielleicht gut läuft. Und das sind Seminare, die FÜR uns gemacht werden, FÜR Jugendliche, also sollten Jugendliche auch mitbestimmen dürfen, was gemacht werden soll. Uns ist Partizipation superwichtig. Wir haben richtig Einfluss auf das, was gemacht wird in der Stiftung und das ist ein schönes Gefühl, so als Jugendliche gehört zu werden.

Aydan: Ja. Der jugendBEIRAT besteht aus sehr vielen Zielen, jeder kommt mit einer Einstellung, jeder kommt mit einem anderen Ziel im Kopf. Wir sind alle unterschiedlich, mit unterschiedlichen Wünschen, aber das macht uns zu so einer Einheit. Und deswegen kann man die Frage gar nicht mal so gut beantworten.

Was ist eure Motivation, euch zu engagieren? Warum kommt ihr immer wieder hier hin?

Aydan: Das ist wieder so eine fiese Frage. Ich glaube, ich engagiere mich gerne, weil ich das Gefühl mag, etwas aufzubauen und mit jemandem zusammen an einem Strang ziehen. Ich mag es, politisch engagiert zu sein, aber nicht in der Politik an vorderster Front zu stehen. Und es ist schön, wenn man dann so ein kleines Baby hat, was dann wächst (alle lachen), so stelle ich mir solche Projekte vor.

Lorelay: Ich persönlich engagiere mich im jugendBEIRAT, weil ich die Stimmung total toll finde. Und dass man was verändern kann, ohne dass es eine erzwungene Zusammenarbeit ist.

Skye: Ich kenne das wannseeFORUM schon vor dem jugendBEIRAT und es ist cool, dass wir hier mitmachen können, im wannseeFORUM selbst.

Nina: 2018 war ich das erste Mal als Schülerin hier. Und die eine Woche SV-Seminar hier hat mich SO verändert. Ich habe gemerkt, dass ich das Demokratieverständnis hier mag und das gerne weitergeben möchte. Ich liebe dieses Haus und ich liebe die Werte, für die es steht. Und das möchte ich im JugendbEIRAT auch an andere weitergeben.

Das klingt richtig inspirierend. Und was macht euch hier am meisten Spaß bei eurem Engagement?

Lorelay: Mir persönlich macht alles ziemlich Spaß, das Planen, mit den anderen zu sprechen, die Umsetzung und einfach die Gemeinschaft. Man kann sich an jeden wenden. Und genau dieser Frieden, der hier herrscht, den finde ich am schönsten.

Skye: Ich muss dir hundertprozentig zustimmen, weil mir alles Spaß macht im jugendBEIRAT. Ich kann so sein wie ich will und hier wird nicht geurteilt.

Nina: Ich bemerke auch, wie der Rest vom Haus auf uns reagiert und wie toll die unsere Arbeit finden. Diese Bestätigung zu bekommen, das ist schön.

Aydan: Das ist genau das Baby, von dem ich gesprochen habe. Ich liebe das Gefühl. Wir sind nicht nur Kollegen, sondern wir sind auch richtig gute Freunde. Man kann zusammen arbeiten und man kann trotzdem am Abend zusammen chillen und das ist ein wunderschönes Gefühl.

Welche Themen bringt ihr ins Forum mit ein? Welche Themen sind hier am präsentesten?

Nina: Identität ist das Überthema. Ansonsten auch Diversität. Wir sind auch eine sehr diverse Gruppe, was Geschlechter angeht, sexuelle Orientierung und auch generell Mindsets. Bei uns hat jeder Platz und auch den Raum so zu sein, wie er oder sie ist. Nachhaltigkeit ist gerade ein neues Thema, auch fürs Haus. Und auch Jugendbeteiligung generell in Berlin, Deutschland und auch europaweit.

Habt ihr hier in der Stiftung schon mal erlebt, dass ihr nicht ernst genommen wurdet?

Lorelay: Überhaupt nicht. Jeder Gedanke wird wahrgenommen und auch unterstützt und man toleriert wirklich jeden.

Skye: Egal wie alt man ist oder wer man ist, man wird so gesehen, wie jeder andere und dessen Meinung zählt genauso viel wie die Meinung anderer.

Nina: Es ist eher so, wenn man außerhalb ist, wo man Diskussionen mit Erwachsenen hat. Da hört man es immer ein bisschen raus, als würde die Meinung nicht so angenommen werden oder dass da ein bisschen drüber geguckt wird.

Die anderen: Mhm. Ja.

Aydan: Genau aus diesem Punkt wollen wir raus. Wir sind aber auf einem guten Weg, wir haben schon so große Schritte gemacht. Das hat auch viel mit Willenskraft zu tun.

Wo seht ihr Fortschritte im Abbau von Teilhabebarrieren für jugendliche Mitbestimmung?

Nina: Man merkt, dass sich immer mehr Jugendliche trauen die Stimme zu erheben, um irgendetwas zu sagen. Und ich glaube vor allem, dass so Initiativen wie der jugendBEIRAT auch andere motivieren, sich für die eigenen Rechte einzusetzen. Dafür gibt der jugendBEIRAT auch eine Bühne.

Das passt genau zu unserer nächsten Frage: Was würdet ihr anderen jungen Menschen sagen, die in ihrer Organisation einen Jugendbeirat oder eine Jugendvertretung aufbauen wollen?

Nina: Das Wichtigste ist, dass man wirklich hinter den Taten, Projekten und Werten der Stiftung oder der Organisation steht, denn der erste Schritt ist superschwer. Man braucht viel Motivation und Leute, die da Herz rein investieren .

Aydan: Auch ein ganz wichtiger Punkt ist, dass man am Ball bleiben muss. Wichtig ist auch sich gemeinsame Ziele zu setzen, zu brainstormen, sich kleine Ziele zu setzen.

Eine Frage haben wir noch, und zwar: Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Lorelay: Für die Zukunft finde ich auf jeden Fall wichtig, noch mehr Jugendliche zu motivieren bei solchen Events mitzumachen, damit sie etwas lernen, aber auch Spaß haben und wir einander noch mehr unterstützen können.

Skye: Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Reichweite und dass wir mehr Jugendliche erreichen können mit unseren Projekten.

Nina: Ich wünsche mir für die Zukunft für das wannseeFORUM, dass noch mehr Jugendliche und noch mehr Menschen das Forum kennenlernen und alles, wofür es steht. Und, dass wir auch andere Jugendliche motivieren können, diesen Schritt zu wagen, die Stimme zu erheben. Ich glaube, dass wir da ein gutes Vorbild sein könnten.

Aydan: Ich würde mir total wünschen, dass wir irgendwann auch Mitglieder haben, die nicht aus Berlin sind.

Nina: Stimmt. Kooperationen mit anderen Stiftungen oder mit einem anderen Jugendbeirat aus einem anderen Land, europäisch, weltweit. Das wäre cool.

Aydan: Das ist eine Idee!!

 

Danke für das tolle Gespräch!

 

 

 

 

 

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